d2b - direct-to-brain: Hacker Angriff auf das menschliche Gehirn.

Wer heute wirklich cool sein will in der Welt der Gamer und Computer-Freaks, der setzt auf sogenannte Brain-Computer-Interfaces (BCIs). Diese ermöglichen die non-muskuläre Kommunikation zwischen Anwender und Computer. Mit anderen Worten: Kommunikation und Steuerung ohne den Einsatz von Fingern auf einer Tastatur oder der Spracheingabe mittels Stimme. Gesteuert wird stattdessen direkt über die neuronale Aktivität des Gehirns, die – vergleichbar mit einen Elektro-Encephalogramm (EEG) – mittels Elektroden abgeleitet wird. Die Gehirnströme werden verstärkt und können so als Steuerungssignale verwendet werden. Was in der Medizin als EEG zu diagnostischen Zwecken schon viele Jahrzehnte genutzt wird, hat nun die Welt der Computer-Konsumenten erreicht. Von Videospielen über berührungsfreie Tastaturen bis hin zu Software-basierten Entspannungsprogrammen ist eine breite Palette von Anwendungen im Umlauf. Mittlerweile gibt es für BCI-Anwendungen spezielle App-Stores im Internet, die auf der einen Seite Entwicklern Zugang zu den entsprechenden Programmierschnittstellen (API) gewähren und zum anderen die neu entwickelten Programme zum Kauf anbieten. Wir wissen heute, dass in den App-Stores, in denen wir die Apps für unsere Smartphones kaufen, auch das ein oder andere Programm angeboten wird, dass neben einem nützlichen Feature auch gerne einmal den kompletten Kontakteordner herunterlädt oder Schadsoftware verbreitet. Naiv also anzunehmen, dass so etwas bei den BCIs nicht passieren kann. Was man mit im Kontext der Cyberkriminalität mit BCI-Programmen alles machen kann, war heute auf der Website von The Hacker News zu lesen. Berichtet wurde über eine Studie, die auf der Usenix Conference on Security, die vor wenigen Tagen in Washington stattfand, vorgestellt wurde. Ein Team aus Wissenschaftlern der Universitäten Oxford, Berkley und Genf hatte es mit speziell programmierten BCIs geschafft, Probanden Informationen zu Kredikarten, PIN Codes oder ihnen bekannte Orten und Personen zu entlocken. Gewissermaßen durch einen direkten Hacker-Angriff auf deren Gehirne. Dabei benutzten die Forscher frei verkäufliche - und mit Preisen von wenigen hundert Dollar vergleichsweise preiswerte  - BCI-Devices. In Ihrer Publikation  warnen die Forscher nun vor Hackerangriffen mit Brain-Spyware. Nutzern von BCI-unterstützten Programmen könnten beispielsweise spezielle Bilder und Videos präsentiert werden, die in Verbindung mit den abgeleiteten Hirnwellen Aufschluss über private und geheime Informationen liefern könnten. Damit hat nun auch wissenschaftlich eine neue Zeitrechnung in Sachen Computerkriminalität begonnen. Stellt sich die Frage, wie das Pendant zu den Anti-Spyware-Programmen, die wir auf unsere Computer aufspielen, aussehen wird, wenn es nicht mehr um unsere Hardware, sondern um unser Gehirn geht. Vielleicht aber gibt es auch hier eine große Chance für die Medizin und ein Revival samt Weiterentwicklung der guten alten EEG-Diagnostik. Aufgerufen sind nun die Kollegen aus der Neuromedizin um via BCI neue Heilmethoden zu entwickeln. Vielleicht gibt es dann einmal eine DRG á la „Neurologische Komplexbehandlung unter Anwendung eines brain-hack“. Man könnte sagen: Es ist eine verrückte Welt, in der Hacker und Ärzte gegenseitig voneinenander lernen können. Oder aber: Wer Arzt wird, muss sich ständig neuen Herausforderungen stellen.

 

Die Krise, das fatale Management und eine Allianz der Helden

Das Krisenmanagement im Organspende-Skandal wird jeden Tag mehr zu einer vertanen Chance. Die Menschen in Deutschland beschäftigen sich gerade sehr ausführlich mit einem Thema, das bislang  so wenig auf einer breiten öffentlichen Agenda stand, dass täglich unnötig Menschen sterben, weil lebensrettende Organe fehlen. Wie also wäre es, wenn man – statt die Transplantationsmedizin unter Generalverdacht zu stellen – das Ziel verfolgen würde, genau diese Wachheit in der Bevölkerung zu nutzen, um  die Zahl der Spender zu steigern. Aber anstatt hier die richtigen Kommunikationsprofis an ihr Werk gehen zu lassen, stoppt die erste Krankenkasse die Ausgabe von Spenderausweisen und scheint damit den Beweis anzutreten, dass man im Fall der Fälle seine Organe doch wohl besser mit unter die Erde nehmen sollte, statt über der Erde Gutes zu tun. Was für ein Signal wäre es hingegen, wenn genau diese Krankenkasse einen ihrer Versicherten, der mangels Spenderorgan um sein Leben ringt, der Öffentlichkeit mit einem Spendenaufruf präsentieren würde. Wie wäre es, wenn die Ärzteschafft darstellen würde, wie hart die Arbeit der Transplantationsmediziner ist. Wer die Szene kennt, weiß um die 80-Stunden-Woche der Transplantationsteams und ihren Kampf um jeden einzelnen Patienten auch noch in den Wochen und Monaten nach einer Transplantation. Und wer kennt schon die Situation, einem Patienten nicht nur mitzuteilen, dass kein Spenderorgan zur Verfügung steht, sondern ihm klar zu machen, dass er soeben von der Empfängerliste gestrichen wurde, weil sein Körper durch die lange Wartezeit zu geschwächt ist für eine erfolgreiche Transplantation. Vielleicht sollte die Bevölkerung jetzt sehr genau erfahren, wie sich ein Operationsteam fühlt, wenn nach der Organentnahme alle Geräte abgeschaltet werden und auf diese Weise eine Operation beendet wird, bei der es nie darum ging, den Patienten zu heilen.

Bei aller Vorsicht mit Begrifflichkeiten: ich bin davon überzeugt, dass es rund um die Organspende viel mehr Helden als Bösewichte gibt. Vom Patienten und seinen Angehörigen angefangen, über die Operateure, Krankenschwestern und Krankenpfleger bis zu denen, die in den schwersten Stunden Trost spenden. Was wir brauchen ist eine Allianz der Helden, die das Vertrauen wieder herzustellen hilft und Hoffnung stiftet für die, die unsere Gesellschaft ignoriert.  Und wenn die Ärzteschaft diese Allianz anführt, dann ist auch das ein Zeichen ärztlicher Kompetenz.

Unser Gesundheitswesen braucht mehr als ein Update

Gleich beginnt der Kongress der Gesundheitsnetzwerker in Berlin. Er startet mit einer Podiumsdiskussion unter der Überschrift: Das Gesetz und die Zukunft. Gemeint ist das am 1. Januar diesen Jahres in Kraft getretene Gesetz „zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VStG)“. Auch ich bin eingeladen und freue mich, in hochkarätiger Runde über ein Gesetz mit zu diskutieren, das mir so vorkommt wie das Update einer Software, bei der man eine ganze Reihe von Sicherheitsrisiken festgestellt hat und nun dringend ein Aktualisierung eingespielt werden muss. Das Gesetz wimmelt nur so von Risiken, die es auszuschalten gilt. Da ist das Risiko der Überversorgung bei zu vielen Arztpraxen, das Risiko der Unterversorgung bei zu wenigen Arztpraxen, das Risiko der Fehlversorgung bei den falschen Arztpraxen; das Risiko der unzureichenden Notfallversorgung, das Risiko der „falschen“ Eigner von Medizinischen Versorgungszentren, das Risiko der Fehlversorgung bei Spezialleistungen und das Risiko bei der Entlassung aus dem Krankenhaus. Selbst das Risiko, dass zu wenig Versicherte eine kaum funktionstüchtige elektronische Gesundheitskarte erhalten, wird im Gesetz berücksichtigt. Nun sind wir ja im richtigen Leben - und außerhalb der Inanspruchnahme des Gesundheitswesens - gewohnt im Umgang mit Software-Updates. Wir alle haben Verständnis dafür, dass neue und innovative Softwareprodukte gelegentlich umfangreichere Updates notwendig machen. Darum bezeichnet man solche Programme eben auch mal als Beta-Version. Offenbar befinden sich unsere Gesundheitsreformen in einer dauerhaften Beta-Version. Und wenn man unser Gesundheitswesen in dieser Logik klassifizieren möchte, ist ein Blick in die Versionsverwaltung von Software aufschlussreich. Eine klassische Software-Versionsnummer (also z.B. eine Software 1.2.3) beginnt mit der Ziffer der Hauptversionsnummer. Bei signifikanten Änderungen oder wenn das Programm vollständig neu geschrieben wurde, erhöht sich die erste Ziffer entsprechend. Die zweite Ziffer ist die Nebenversionsnummer. Diese ändert sich, wenn funktionelle Erweiterungen des Programms vorgenommen wurden. Bei der dritten Ziffer schließlich handelt es sich um die Revisionsnummer und zeigt die Anzahl der Fehlerbehebungen an. Wie würde die aktuelle Version unseres Gesundheitswesens wohl aussehen? Da seit Bismarck keine neue Version unseres Gesundheitswesens auf den Markt gekommen ist, lautet die Hauptversionsnummer seit mehr als einhundert Jahren „1“. Die Anzahl der funktionellen Erweiterungen könnte man unter Berücksichtigung der wirklichen Reformen vielleicht mit höchstens „5“ bezeichnen. Und da die Fehlerbehebungen sich ziemlich sicher im dreistelligen Bereich befinden, könnte man bei unserem Gesundheitswesen von der Version 1.5.226 sprechen. Eine Softwareschmiede in der realen Welt der Wirtschaft wäre sicher schon pleite. Und wenn wir schon in der Realwirtschaft angelangt sind, sei ein weiteres Gedankenexperiment erlaubt: Was wäre eigentlich, wenn die Realwirtschaft außerhalb des Gesundheitswesen so organisiert wäre bzw. werden müsste, wie das Gesundheitswesen? Unser Alltag wäre um einiges ärmer, z.B. um Baumärkte. Denn es wäre selbstverständlich undenkbar, dass hier eine integrierte Versorgung mit allen möglichen Produkten und Dienstleistungen rund ums Bauen, Basteln, Gärtnern, der Versorgung mit Zierfischen und der Planung einschließlich der Montage von Küchen durch einen einzigen Anbieter stattfinden dürfte. Sicherlich wäre es auch verboten mit einem einzigen Mobiltelefon zu telefonieren, im Internet zu surfen, über unsere Straßen zu navigieren, Mails zu schreiben und sein Online-Banking durchzuführen. Man würde selbstverständlich behaupten, das beste Telekommunikationssystem der Welt zu haben und gleichzeitig die Menschen zwingen für jede einzelne Funktion jeweils ein separates Endgerät zu benutzen. Es bleibt die Frage, wie lange es sich die Patienten noch gefallen lassen, dass der Weg zu einem wirklichen vernetzten Gesundheitssystem blockiert wird. Meine Prognose lautet: Nicht mehr lange. Der Aufstand der Patienten hat schon begonnen. Mit der Bewertung von Ärzten und Kliniken im Internet zeigen die Patienten, dass sie mitreden wollen. Der nächste Schritt wird sein, die Vernetzung der eigenen Gesundheitsinformationen selbst in die Hand zu nehmen und so die Basis für eine wirkliche Versorgungsintegration zu schaffen. Dabei werden die Patienten nicht auf eine eGK warten müssen, die wenig verspricht und noch weniger hält. Denn die Plattformen der Vernetzung sind längst da und heißen facebook, Google+, usw.. Die müssen nur noch die richtige Software schreiben, um aus dem Sozialen Netzwerk ein Soziales Gesundheitsnetzwerk zu machen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass bereits nach wenigen Jahren die Hauptversionsnummer größer als 5 und die Revisionsnummer kleiner als 5 sein wird.

Apps auf Rezept-oder die zweite Säkularisierung der Medizin

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu Ihrem Arzt und anstatt eines Rezeptes, drückt Ihnen die Arzthelferin einen iTunes-Gutschein in die Hand, auf dem neben dem Apple Logo auch noch das Signet der DAK oder der Barmer Ersatzkasse prangt. Sie bekommen dann den Namen einer App für Ihr iPhone mit auf den Weg, die Ihnen hilft, besser mit ihrem Hypertonus, Diabetes oder schlicht ihrem Übergewicht klar zu kommen. Bei der nächsten Gelegenheit laden sie die App herunter und ab sofort sind Sie nicht nur online, sondenr onhealth. Sie dokumentieren, archivieren und überwachen ihren Blutzuckerspiegel oder ihr Gewicht und können den Verlauf Ihres Blutdrucks perfekt mit der Tablettenmenge kalibrieren. Schwer vorstellbar? Nun, in Deutschland schon (auch wenn man Herbert Rebscher, dem Chef der DAK, diese Kreativität durchaus zutraut und weiß, dass der Chef der Barmer Ersatzkasse, Christoph Straub, einer der Gründerväter von Qualitätskliniken.de, Deutschlands erfolgreichstem Krankenhausportal, ist). In
England soll aber genau das Wirklichkeit werden und Apps rund um die Gesundheit sollen demnächst im Rahmen einer Initiative des Departments of Health, verschreibungsfähig werden. So sollen Patienten befähigt werden, ihre Erkrankung selber in die Hand zu nehmen. O-Ton aus dem Gesundheitsminsterium:"Information about your health is a service - just like the GP surgeries, Walk-in Centres and hospitals that millions of people access every week. With more information at their fingertips, patients can truly be in the driving seat." Die App bekommt damit den Status eines Heil- und Hilfsmittels und die Information wird gewissermaßen zum Werkzeug. Ein hervorrgande Idee, die einmal mehr aus einem der Gesundheitssysteme kommt, die wir in der Regel eher als minderwertig betrachten. Insgesamt zeigt sich, dass das Skalpell, als der Inbegriff des lebensrettenden Werkzeugs in der Medizin langsam aber sicher seine Poleposition verliert. Stattdessen wird die Qualität der Information zum Synonym für gute Medizin. Dass Informationen Leben retten kann, bestreitet auch hierzulande längst keiner mehr. Doch die Dimension, die sich in Zeiten gigantischer Rechenleistung und praktisch uneingeschränkter Vernetzung auftut, ist noch weitegehend unreflektiert. Während ein Skalpell die begnadete Hand des Operateurs unbedingt braucht, um ein Leben zu retten, ist die Information deutlich unabhängiger vom ärztlichen Handwerk. Mit anderen Worten: Mit der breiten Nutung von IT-Anwendungen in der Medizin - z.B. in der aktuellen Maximalvariante mit dem IBM Supercomputer Watson - setzt eine Phase in der Medizin ein, die man als zweite Säkularisierung bezeichnen könnte. Einst mussten die Ärzte ihre Patienten denen entreissen, die -  als Vertreter der Religionen - Krankheit als eine gerechte Strafe Gottes sahen. Fortan heilten die Ärzte ihre Patienten mit den Mitteln, die ihnen die Lebenswissenschaften gaben. Erfolg und Narzismus aber machten sie selbst zu Göttern in Weiß, die ihre Exklusivität aus der Exklusivität ihres Wissens definieren durften. Nun haben auch die Götter in Weiß Konkurrenz bekommen. Der neue Wettbewerb könnte ungleicher kaum sein. Denn das Wissen des einzelnen Arztes steht in den Zeiten von Hochleistungsrechnern da, wie die einzelne Seite eines einzigen Lehrbuchs zum Gesamtbestand einer großen Fachbibliothek. Wie wird die Ärzteschaft damit umgehen. Für diejenigen, die die primäre ärztliche Kompetenz vordergründig mit dem medizinischen Fachwissen gleichgesetzt haben, besteht wenig Hoffnung. Die aber, die das Fachwissen als Werkzeug der ärztlichen Spiritualität verstanden haben, werden weiterhin im ärztlichen Selbstverständnis und Selbstbewusstsein gute Ärzte sein können. Interessant wird es sein, welche Antwort unser Gesundheitswesen auf die Entwicklung der Informationstechnologie geben wird. Die Chance, aus unserem Gesundheitswesen á la Bismarck endlich ein Gesundheitssystem zu machen, dem es über die Vernetzung von medizinischem Wissen auf der einen und der vollständigen Informationen über den Patienten auf der anderen Seite gelingt, eine zeitgemäße und hervorragende Versorgung sicherzustellen, war noch nie so groß. Im Moment allerdings weigern sich die Verantwortlichen aus Politik und Selbstverwaltung noch beharrlich die Vision eines vernetzten Gesundheitssystems Wirklichkeit werden zu lassen. Wie schon einmal in der Geschichte der Medizin, scheint die Angst zu groß zu sein, den Patienten aus der Rolle des Unwissenden und Schwachen in die Freiheit des Wissens und der eigenen Entscheidungskompetenz zu entlassen. Doch wie in den Zeiten der Aufklärung, überlegt der Patient schon heute sehr genau, wem er vertrauen will. Und möglicherweise heißen die Ärzte in der Focus Ärzteliste dann demnächst Dr. Google und Dr. Watson.

Epidemiologie in Echtzeit - Twitter macht es möglich

Was würden Sie sagen, wenn Gesundheitsminister Bahr den Vorschlag machen würde, den Microblogging-Dienst Twitter bei der nächsten Grippe-Epidemie zu nutzen, um Informationen über die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu bekommen? Bei einem Minister, der die Geschwindigkeit der eGK-Einführung als sehr rasant bezeichnet, ein wohl eher unwahrscheinliches Szenario. Doch genau soetwas will Kathleen Sebelius, seine Kollegin aus dem amerikanischen Gesundheitsministerium, tun. Laut einer Pressemeldung vom 20. März 2012 ruft das Ministerium zur Beteiligung an einem Wettbewerb auf, der das Ziel verfolgt Twitter nutzbar zu machenen, um in Echtzeit relevante Daten über die Ausbreitung von Epidemien zu bekommen. 21.000 Dollar und jede Menge Publicity erhält derjenige, der bis zum 1. Juni 2012 eine Software entwickelt, die es erlaubt, aus allen bei Twitter geposteten Tweets eine tagesaktuelle Liste über das Neuauftreten von fünf relevanten Krankheiten (u. a. die Influenza A, die Schweine- und die Vogelgrippe) zu generieren. Dass dies erst der Anfang ist, Soziale Medien für epidemiologische Fragestellungen zu nutzen, daran lässt das Ministerium keinen Zweifel.

Und wenn bereits heute Teilnehmer für klinische Studien über facebook geworben werden, dann ist der nächste Schritt auch klar: Unter 600 Millionen facebook-Freunden werden sich immer genügend finden, die zwar dieselbe Krankheit haben, aber unterschiedlich therapiert werden. Die Auswertung der Postings zum Krankheitsverlauf dürfte die Qualität mancher klinischen Studie übertreffen. Der „Daten-Gral“ zur Analyse der Öffentlichen Gesundheit ist also in greifbare Nähe gerückt. Warum nur kommen immer die Anderen auf gute Ideen? Die deutsche Public Health Community muss sich sicher nicht verstecken, wenn es vernünftige Forschung geht. Und nach dem EHEC Desaster in Sachen Informationsübermittlung bei Neuerkrankungen täte auch das Gesundheitsministerium gut daran, etwas kreativer zu werden. Die nächste Grippewelle kommt bestimmt und 21.000 Dollar Preisgeld ist sicherlich kein wirklich beeindruckender Betrag. Falls noch jemand eine Idee sucht, um die Überschüsse der GKV vernünftig zu verwerten, die IT-Wüste im Deutschen Gesundheitswesen ließe sich damit auch hervorragend bewässern. 

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